Heute leben 10 Millionen Deutsche mit einem Hund im Haushalt. In der Öffentlichkeit weiß man aber nicht viel über sie. Eine Repräsentativstudie des Heidelberger Markt- und Sozialforschungsinstitut Sinus Sociovision legt Fakten und Zahlen auf den Tisch: Die Hundefreunde in Deutschland sind eine sozial gehobene Zielgruppe.
Die Studie wurde im Jahr 2002 konzipiert. Sie gibt – auf streng empirischer Grundlage – Auskunft über Soziografie und Psychografie der deutschen Hundehalter, d. h. über ihr soziodemografisches Profil, ihre Lebenswelten, ihre Einstellungen und Werte. Die Ergebnisse basieren auf fast 25.000 Interviews (Quelle: Verbrauchs- und Medienanalyse 2002, N = 24.609 Fälle) und sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren.
Erhoben wurde der Hundebesitz im Haushalt nach Rassen, soziodemografische Merkmale wie Alter, Bildung, Beruf, Einkommen und Wohnsituation sowie die Zugehörigkeit zu einem der zehn Sinus-Milieus. Bei den Sinus-Milieus handelt es sich um einen sozialwissenschaftlichen Ansatz, der die verschiedenen Lebenswelten („die Milieus“) in unserer Gesellschaft beschreibt. Die Sinus- Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen – zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum.
Die Studie liefert dazu repräsentative Zahlen auf sehr großer Fallbasis, die exakte Hochrechnungen zulassen: 9.638.000 Menschen leben in Deutschland, die (mindestens) einen Hund im Haushalt haben. Bei 5.783.000 ist es ein Rassehund, bei 3.855.000 ein anderer Hund. In 8,9% der Haushalte gibt es einen oder mehrere Hunde. 15% der Bevölkerung ab 14 Jahren lebt mit einem Hund. Das ist keine unbedeutende Minderheit!
Unter den Rassehunden am verbreitetsten sind der Deutsche Schäferhund (1.049.000 Menschen haben einen Hund dieser Rasse im Haushalt), der Teckel (842.000), die Terrier-Rassen (747.000) sowie die Retriever-Rassen (656.000). Etwas seltener findet man Kleinhunde-Rassen (475.000), Hüte- und Hirtenhunde-Rassen (430.000) und Pudel (315.000).
Die Analyse nach Sinus-Milieus zeigt nun, dass sich die Hunderassen keineswegs gleichmäßig über die Gesellschaft verteilen. Vielmehr gibt es deutliche milieuspezifische Schwerpunkte in der Rassenpräferenz. So ist etwa die Wahrscheinlichkeit, einen Schäferhund im Haushalt anzutreffen, am größten in den traditionellen Milieus („Konservative“ und „Traditionsverwurzelte“). Einen Teckel findet man überdurchschnittlich oft in den Milieus der Mitte, Kleinhunde und Terrier in den jungen Milieus. Deutsche Jagdhunde werden im gehobenen etablierten Segment bevorzugt.
Der gefundene Zusammenhang zwischen Milieu und Rassenpräferenz beweist also: Die Vorliebe für bestimmte Hunderassen ist (auch) abhängig von der Grundorientierung, der Weltsicht und dem Lebensstil ihrer Besitzer – eben vom Milieu.
Wenn die Einstellung zum Hund offensichtlich etwas mit der Lebensart des Halters zu tun hat, liegt es nahe, dass Menschen, die einen Hund haben, wohl wirklich bestimmte Besonderheiten aufweisen.
Vergleicht man die Befragten, die einen Hund im Haushalt haben, mit der Grundgesamtheit, also der Bevölkerung insgesamt, zeigt sich in der Tat ein profiliertes Bild: Hundebesitzer, insbesondere Rassehundehalter sind eine gut situierte, selbstbewusste und anspruchsvolle Zielgruppe.
Zunächst einmal: Hundehalter sind jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung – mit einem Schwerpunkt in den „aktiven Jahren“ von 40 bis 60. Bei den Berufen sind Selbständige und Freiberufler deutlich überrepräsentiert, ebenso Beamte (im mittleren Dienst) und Facharbeiter. Entsprechend verfügen die Hundebesitzer oft über ein gehobenes Einkommen. Zwei Fünftel aller Hundehalter in Deutschland haben ein persönliches Nettoeinkommen von 2500 Euro und mehr. Zwei Drittel haben Wohneigentum, und vier Fünftel haben einen eigenen Garten.
Die wichtigsten „Hunde-Milieus“ im Sinus- Modell sind „Postmaterielle“, „Experimentalisten“ und „DDR-Nostalgische“. Aber auch in den Milieus der „Konservativen“ und „Etablierten“ gibt es überdurchschnittlich viele Hunde – insbesondere Rassehunde. Die wenigsten Hunde finden sich bei „Hedonisten“.
Was Hundehalter auch vom Bevölkerungsdurchschnitt unterscheidet, ist ihre aktive Familienorientierung. Deutlich stärker ist etwa ihre Zustimmung zu der Aussage „Es ist mir wichtig, viel mit der Familie gemeinsam zu unternehmen“. Auch das Streben nach Wellness und Balance ist bei Hundehaltern stärker ausgeprägt als bei der Mehrheit. Überdurchschnittlich viele stimmen der Aussage zu „Mein Ziel ist es, Körper und Seele in Einklang zu bringen.“ Hundehalter sind kommunikativer und stärker nach außen gerichtet als der Bevölkerungsdurchschnitt. Und sie sind eher bereit, Verantwortung zu übernehmen und (gemeinsame) Aktivitäten anzuführen (Quelle: Typologie der Wünsche 2002/03 Trend, N = 8.525 Fälle).
Die Studie zeigt, dass der Schwerpunkt der Rassehundehaltung in Deutschland in den gesellschaftlichen Leitmilieus liegt. Die Affinitäten in der sozialen Unterschicht sind gering. Insbesondere in den Sinus-Milieus der „Etablierten“ und „Postmateriellen“ gibt es überdurchschnittlich viele Rassehunde – ein Ergebnis, das nahe legt, dass Rassehunden in unserer Gesellschaft ein gewisser Statuswert zukommt. Darüber hinaus scheint der Besitz von Rassehunden aber vor allem Ausdruck eines aktiven, sozial und kulturell engagierten Lebensstils zu sein. Charakteristisch für die „Rassehunde-Milieus“ sind hohes Qualitätsbewusstsein, die Lust auf das Authentische, Kennerschaft und Stilgefühl, intensive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und nicht zuletzt eine umwelt- und gesundheitsbewusste Lebensführung.
Entsprechend repräsentiert das soziodemografische Profil der Rassehundehalter häufig eine gehobene soziale Lage: leitende berufliche Positionen sind überrepräsentiert, ebenso wie gehobene Einkommensklassen. Nicht selten ist Geldoder Immobilienvermögen vorhanden. Rassehundehalter bevorzugen produktive Freizeitbeschäftigungen (z.B. Heimwerken, am Computer arbeiten), sind kulturell interessiert (z. B. an klassischer Musik, Konzert und Theater), und sie sind körperlich aktiv (arbeiten z. B. im Garten, oder treiben Sport).
Als Konsumenten zeigen Rassehundehalter überdurchschnittliches Interesse für Technik (von Auto bis IT), für Haus und Garten, für Kleidung und Kosmetik, für Finanzprodukte und für alles, was mit der Gesundheit zu tun hat. Ihre Mediennutzungsvorlieben (bevorzugte Zeitschriften und TVFormate) spiegeln ein breites Interessenspektrum: von Wohnen und Leben, über Natur und Umwelt, Wirtschaft, Mobilität, Familie und Kinder, bis hin zum Sport.
Download der Studie bei Sinus Sociovision