Portugiesischer Wasserhund
Cão de Água Português

Portugiesischer Wasserhund

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Seitdem der ehemalige US-Präsident Barack Obama seine Liebe zum Cão de Água Português publik machte, ist die Rasse weitaus populärer als zuvor. Gut so, insofern der traditionelle Helfer der Fischer auch seine Wasser- und Apportierfreude ausleben darf.

Vielleicht ist er ein bisschen mehr als nur ein Wasserhund. Seine herrliche Haarpracht haart kaum. Es gibt zwei Fellvarietäten: gewelltes Langhaar und kürzeres gekräuseltes Haar, das lange zylindrische Strähnen bildet. Doch was den Cão de Água Português, den Portugiesischen Wasserhund, wirklich unwiderstehlich macht, ist seine liebenswerte Vielseitigkeit.

Weit und breit ist kein Meer in Sicht. Dafür ein Swimming Pool. Schafe gibt es auch nicht, nur einen Stall voller schöner Lusitanos, portugiesischer Pferde. Doch all das scheint Pedro nicht zu stören. Der lebhafte Cão de Água Português findet genügend spannende Herausforderungen auf der Finca und vor allem auch liebevollen Anschluss an Menschen, die gar nicht genug von dem Wasserhund bekommen können. Der Jungrüde versteht sich bestens mit der imposanten Rafeiro-do-Alentejo-Hündin, die ebenfalls auf der Reitanlage lebt und die edlen Pferde liebt er auch. Typisch Cão de Água Português. Die überaus kluge Rasse zeichnete sich seit jeher durch eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit und Vielseitigkeit aus. Wobei es ihr auch nicht an Wachsamkeit mangelt.

In Portugal trifft man den Cão de Água Português inzwischen wieder häufiger an. Das war allerdings nicht immer so. Erst 1955 erfolgte die offizielle Anerkennung der Rasse durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI), was wenig half. In den 1970er Jahren starb die Rasse beinahe aus und erhielt in diesem traurigen Zusammenhang sogar einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Damals gab es nur noch rund 50 registrierte Vertreter dieser Rasse. Ein enger Genpool, der die Züchter vor so manche Herausforderung stellte. Die Zucht auf der Basis eines winzigen Genpools bedingte Erbkrankheiten, für die es heute größtenteils glücklicherweise zuverlässige Gentests gibt, um diese zu vermeiden. Alle das resultiert inzwischen in einer größeren Zuchtbasis, auf die Züchter zurückgreifen können.

Doch wo kam der unternehmungslustige Portugiese mit dem zauberhaften Look ursprünglich eigentlich her? Vielleicht brachten ihn die Phönizier nach Rom? Oder waren es die Römer selbst, die den Cão de Água Português an die Algarve brachten? Jedenfalls kannten die Römer den canis leo, einen Hund mit Löwenschur, dessen Beschreibung der des Portugiesischen Wasserhundes nahekommt.

 

 

Fotos: © Sarah Maas, Carolin Gauda

Vollwertiges Crewmitglied

In der neuen Heimat kristallisierten sich mit der Zeit ein Einsatzschwerpunkt für die arbeitseifrigen Wasserhunde heraus: der Einsatz als treuer Helfer der Fischer und vollwertiges Mitglied der Crew. In den Küstenregionen überzeugten Hunde mit vielen Qualitäten wie dem Einholen von Tauen oder Netzen aus dem Wasser und sogar dem Überbringen von Nachrichten von Boot zu Boot.

Sein Haarkleid ist jedenfalls optimal an all diese Einsatzbereiche angepasst. Es gewährt — dank der charakteristischen Löwenschur — Schutz im Wasser, ohne den Hund beim Schwimmen unnötig zu beschweren, und kompensiert den Wechsel von Hitze und Feuchtigkeit im Inneren des Landes. 

Rundum glücklich

Doch wie macht man einen Wasserhund rundum glücklich? Da gibt es durchaus viele Möglichkeiten. Das Besondere an dieser liebenswerten Rasse ist nun einmal ihre Vielseitigkeit und die bringt eine hohe Begeisterungsfähigkeit mit sich. Eigentlich bereitet ihr fast jede Aktivität Freude, die Kopf und Körper fordert. Dabei stellt der kluge Portugiese ebenso gerne seine Selbstständigkeit unter Beweis wie er auch gemeinsam mit seinem Menschen aktiv ist. Der Agilityplatz ist eine gute Möglichkeit, der Bewegungsfreude des konzentriert arbeitenden Iberers entgegenzukommen. Aber auch die Wasserarbeit mitsamt Dummytraining löst oft helle Begeisterung aus. Auch bei Fly- oder Treibball, Dog Frisbee und Canicross sagen die sportlichen Portugiesen nicht nein. Wenn es um die Trüffelsuche geht, nehmen sie es locker mit dem italienischen Lagotto Romagnolo auf. Mit einer fundierten Reitbegleithunde-Ausbildung erweist sich der Portugiesische Wasserhund zudem als zuverlässiger und hoch motivierter Begleiter auf ausgedehnten Ausritten, die durchaus auch mal durch Gewässer führen dürfen.

Es gibt einen weiteren Bereich, in dem der Portugiesische Wasserhund seit einigen Jahren immer häufiger zu sehen ist: die Rettungshundearbeit. Vor allem in den USA, wo beispielsweise ein PWD (Portuguese Water Dog, wie er dort und auch hier in Deutschland oft abgekürzt wird) namens Dutch u.a. aktiv als SAR-Hund nach den Ereignissen des 11. September bei der Vermissten-Suche beteiligt war. Auch in skandinavischen und anderen europäischen Ländern wie Deutschland schätzen auf humanitäre Hilfe spezialisierte Organisationen seine überragende Nasenleistung und sein zuverlässiges Vorgehen bei der Rettungsarbeit. Das Tolle an der Rettungsarbeit ist, dass der Portugiesische Wasserhund gemeinsam mit seinem Menschen einer sinnvollen Aufgabe nachgehen kann, die zudem viel Raum für selbstständiges Arbeiten bietet. Das feine Näschen, seine Konzentrationsfähigkeit, Trittsicherheit und Ausdauer machen den Cão de Água Português zu einem Hund, der auch in anspruchsvollen Rettungssituationen überzeugt. Nicht zuletzt bietet auch der Einsatz als Therapie- oder Assistenzhund ein spannendes und sinnvolles Aufgabenfeld für den klugen Vierbeiner, wobei seine hohe Empathiefähigkeit eine große Rolle spielt. 

Ist das ein Hund für mich?

Trotz aller fabelhaften Eigenschaften, die der Cão de Água Português mitbringt, ist vor der Entscheidung für einen Welpen dieser Rasse ein ehrlicher Check Up der eigenen Lebenssituation und des bevorzugten Lifestyles sinnvoll. Denn so schön das Leben mit einem schönen, fröhlichen und bisweilen quirligen Wasserhund sein kann, so herausfordern, ja anstrengend, mag es zu sein, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen. Doch welches sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den charmanten Portugiesen glücklich zu machen, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben?

Ganz schön sportlich

Zeit für den Hund ist sicherlich einer der entscheidenden Faktoren. Denn die euphorisch gefeierte Vielseitigkeit und die Arbeitsfreude dieses Hundes bieten zwar Raum für die abwechslungsreichsten Freizeitaktivtäten, allerdings sollten diese auch mit Know-how und vor allem kontinuierlich erfolgen. Wer sportlich ist und sich gerne bei jedem Wetter draußen verwirklicht, findet im Wasserhund einen dankbaren Mitstreiter. Auf viel Gegenliebe stoßen auch gemeinsame Urlaube, die durch abwechslungsreiche Wanderungen, Treckingtouren oder ausgedehnte Strand-Spaziergänge an Würze gewinnen. Steht eine Trennung auf Zeit an, gilt es, eine Betreuung zu finden, die sich ebenfalls intensiv mit dem Feriengast beschäftigt.

Auch Ruhe will gelernt sein

So wichtig wie die Auslastung des Hundes ist allerdings auch die Fähigkeit, Ruhepausen zu genießen. Umso früher ein Cão de Água Português lernt, dass es Zeit für Action und Zeit zum Chillen gibt, desto besser. Das ist insbesondere auch während der ersten Lebensmonate wichtig, da der Wasserhund dann noch nicht ausgewachsen und somit auch nur altersgemäß belastbar ist, weil ansonsten gesundheitliche Schäden am Bewegungsapparat drohen.

 

 

Natürlicher Arbeitsanzug

Um nochmals auf das rassetypische Haarkleid des Cão de Água Português zurückzukommen: Die einen empfinden es als schön und zudem pflegeleicht, andere empfinden es als schön, aber durchaus gewöhnungsbedürftig was die Pflege angeht. Mehrmals wöchentlich steht gründliches Bürsten auf dem Pflegeplan und auch regelmäßiges Baden gehört dazu.

Natürlich ist eine dauerhafte Komplettschur möglich, aber dann fehlt letztendlich der Look, der den Portugiesischen Wasserhund eben auch ausmacht und außerdem verliert das wie ein Arbeitsanzug fungierende Haarkleid dann seine isolierende Wirkung, die den Hund im Sommer kühlt und im Winter wärmt. Bei der Wasserarbeit erklärt sich der Sinn dieser traditionellen Schur, die er nicht aus Modegründen trägt. Die Schnauze wird, bis auf die Vibrissen, kurz geschoren, damit hiermit gut gegriffen werden kann, z.B. nach Netzen. Der „Pony“ bleibt lang über den Augen als natürliche Sonnenbrille, also zum Schutz gegen die sich auf dem Wasser spiegelnde Sonne. Der vordere Teil, bis zur letzten Rippe, bleibt lang, um die Organe, wie Herz und Lunge mit der isolierenden Funktion vor der Kälte des Wassers zu schützen. Ab der letzten Rippe wird das Fell kurz geschoren, um Bewegungsfreiheit der Hinterbeine zu ermöglichen, da diese Hunde bis zu drei Meter tief tauchen können. Hierbei helfen ihnen ebenfalls ihre Schwimmhäute zwischen den Zehen. An der Rute bleibt eine Fahne stehen. Sie hilft beim Lenken im Wasser. Der Lion-Clip, die traditionelle Arbeitsschur, ist Voraussetzung für das Ausstellen des Hundes auf einer FCI-Rassehundausstellung. Dieser bedarf wiederum aufmerksamer Pflege, damit sich der Vierbeiner in seinem Haarkleid wohlfühlt. Fakten, die ebenfalls vor der Entscheidung für die Rasse auf den Tisch gehören. In den USA dürfen Wasserhunde auch im Retriever-Clip gezeigt werden, dabei wird das gesamte Haarkleid auf eine Läng von 2,5 Zentimetern gekürzt.

Alles kein Problem? Dann steht einem Leben mit Cão de Água Português ja eigentlich nichts mehr im Weg. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Rasse liegt bei zwölf bis 13 Jahren – viel Zeit für jede Menge Spaß.

Herkunft

In früheren Zeiten sah man den Portugiesischen Wasserhund häufig an den Küsten Portugals. Strukturelle Veränderungen des Fischereiwesens reduzierten sein Verbreitungsgebiet mit der Zeit vor allem auf die Provinz Algarve. - Die Region, die heute auch allgemein als Ursprungsgebiet zugrunde gelegt wird. Die Vorfahren der iberischen Wasserhunde lebten schon vor Jahrhunderten auf der iberischen Halbinsel. 

Nur ein Fellwechsel

Es gibt nur einen Fellwechsel beim Portugiesischen Wasserhund: den vom Welpen- zum Erwachsenenfell. Von Beginn an ist der regelmäßige Einsatz von Bürste und Kamm unumgänglich. Auch Bäder mit einem hundefreundlichen Shampoo sind von regelmäßig angebracht. Es gibt zwei rassetypische Looks, die mithilfe der Schermaschine entstehen: den für Ausstellungen erforderlichen Lion Clip (Löwenschnitt) und den Retriever Clip. 

Wasserhunde

Der Cão de Água Português gehört zu den Wasserhunden und diese wiederum zur FCI-Gruppe 8 (Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde). Zu ihnen zählen folgende Rassen: American Water Spaniel, Barbet, Perro de Água Español, Irish Water Spaniel, Lagotto Romagnolo, Wetterhoun und der Perro de Água Español.

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