Hovawart
Selbstbewusster Allrounder

Die Rasse des Monats: Hovawart

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Hovawart

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Selbstbewusster Allrounder

Er liebt actionreiche Herausforderungen, stellt seinen Menschen gerne mal auf die Probe
und ist ein zuverlässiger Partner in jeder Lebenssituation, wenn man ihn zu nehmen weiß:
Der Hovawart ist ein Hund für verantwortungsvolle Zweibeiner, die Freude an einem klugen,
selbstbewussten und wachsamen Hund haben.

Fotos: RZV, Debra Bardowicks; HZD, Regine Häuser; HC, Susanne Kerl; HZD, Melanie Rickert; HC, Klaus Grabbe

Ein einziger Blick auf seinen Körperbau verrät alles: Funktionalität und Leistungsfähigkeit strahlt der Hovawart aus und sein Augenausdruck wirkt hellwach. Dieser Eindruck trügt nicht. Der zu den deutschen Gebrauchshundrassen gehörende Vierbeiner, der unter anderem durch seine Größe
und Agilität beeindruckt, ist ein Hund für aktive Menschen.


Wobei das Ausleben der rassetypischen Energie vielfältige Möglichkeiten bietet. Hovawarte brillieren nicht nur in Hundesport-Disziplinen wie Agility oder der Vielseitigkeit, sondern begeistern auch bei der Objektsuche,
dem Man Trailing, bei der Wasser- und Flächensuche sowie als einfühlsame Therapiehunde. Ein höchst sensibler Charakter befähigt Hovawarte dazu, ein schier untrügliches Gespür für Menschen in ihrer Umgebung zu entwickeln. Dabei sind sie unkompliziert und verträglich – wenn die
Voraussetzungen hierfür stimmen.

Anforderungen

Und in der Tat gibt es einige Voraussetzungen, die stimmen sollten. Denn nur dann entfaltet ein Hovawart auch all seine angenehmen Seiten. Die Basis von allem ist eine verantwortungsvolle Zucht mit gesunden und
wesensfesten Hunden. Gefolgt von einer umsichtigen Aufzucht im erfahrenen Züchterhaushalt. Im Anschluss tritt der Züchter die Verantwortung an die neue Familie des Welpen ab und auf die kommt im Fall eines
Hovawarts so einiges zu. Die ersten Monate und Jahre kosten sicherlich viel Zeit und Energie, weil die Erziehung und Ausbildung dieser spätreifen Rasse recht anspruchsvoll ist. Selbstbewusstsein, Mut, Wachsamkeit und ein ausgeprägtes Territorialverhalten sind typisch für den Hovawart.
Eigenschaften, die – in die richtigen Bahnen gelenkt – wundervoll sind.
Fehlt es jedoch an einer funktionierenden Partnerschaft zwischen Mensch und Hund, entpuppen sich genau diese Eigenschaften vielleicht zu einer übergroßen Herausforderung.

Das erste Jahr

Die Lebensschule des Hovawarts endet keinesfalls mit dem Besuch einer Welpenspielgruppe, in der idealerweise Vierbeiner verschiedener Rassen ihre ersten Erfahrungen mit fremden Artgenossen machen.
Die Teilnahme an einer Junghundegruppe ist eine sinnvolle Fortsetzung und dann geht es schrittweise und altersgemäß an die rassespezifische Auslastung des Hundes, der im Alter von einem Jahr bereits groß und stark, aber zugleich noch ein Kindskopf ist. Wirklich erwachsen sind Hovawarte, die mit einer
Lebenserwartung von oft weit über zwölf Jahren recht langlebig sind, erst mit drei bis vier Jahren.
In der Zeit davor sollten sie fremde Personen und andere Hunde als etwas Positives erleben, damit ihr bereits erwähntes Territorialverhalten, das auch das Auto, einen Wohnwagen oder ein Hotelzimmer einbeziehen kann – im angemessenen Rahmen bleibt. Kommt diese Sozialisierung zu kurz, entwickelt sich der Hovawart womöglich zu einem skeptischen und Fremden gegenüber eher ablehnenden Zeitgenossen.

Kreativer Stratege

Wer einen Hovawart führt, sollte dem bis zu 70 Zentimeter großen Hund, der als Rüde mitunter zehn Kilogramm mehr Gewicht als eine Hündin auf die Waage bringt, körperlich gewachsen sein. Und es gilt, die eigene Aufmerksamkeit zu schulen. Der eigenständige und robuste Hund bringt zwar grundsätzlich eine hohe Kooperationsbereitschaft mit sich, die eine Grundvoraussetzung für viele hoch spezialisierte Einsatzbereiche ist, in denen der Hovawart zuverlässig überzeugt, aber er testet seinen Menschen auch aus. Nur allzu gerne setzt er eigene Maßstäbe an und versucht, diese auf variable Art und Weise durchzusetzen. Mal ist es ein
Kräftemessen, mal setzt der Hovawart sein Geschwindigkeitsvermögen ein, mal entwickelt er eine geradezu verblüffend strategische Raffinesse.

Er liebt zudem das derbe, rasante Spiel mit Artgenossen, was einen gleichgesinnten Mitspieler erfordert. Viele Hunde sind mit einem ungestümen Hovawart überfordert, zumal dieser womöglich dann auch noch Mobbing-
Tendenzen entfaltet. Auch hier ist von Seiten seines Halters ein waches Auge gefragt, damit das Spiel auch tatsächlich allen Beteiligten gefällt.

Humor hilft auch

Ein verantwortungsvoller Umgang und eine gute Erziehung machen den Hovawart auch zu einem teambewussten Partner für Kinder, der sich auf Ausflügen und Reisen als angenehmer Begleiter erweist. Seine Reizschwelle ist mittel bis hoch veranlagt, wobei ein Hovawart stets sehr
aufmerksam ist und sich ohne zu Zögern als Beschützer von Besitz und Familie zeigt. Wachsamkeit und auch die Bereitschaft, seine Lieben zu schützen, sind beim Hovawart erwünscht, wobei Aggressivität ausdrücklich unerwünscht ist.
Wer die Erziehung und Ausbildung des Hovawarts als Teil des Zusammenlebens und schöne Aufgabe sieht, macht es richtig. Denn Freude an der gemeinsamen Entwicklung ist wichtig – für beide Seiten. Eine sensible
Geradlinigkeit, eine einfühlsame und zugleich selbstverständliche Beständigkeit im Handeln und Humor tragen zur Teambildung bei.
Warum Humor? Weil ein Hovawart den Alltagsplan gerne gemäß seiner eigenen
Vorstellung auf den Kopf stellt. Blinder Gehorsam ist von ihm jedenfalls nicht zu erwarten. Ein Hund dieser Rasse ist kein Beiwerk im Leben, sondern ein vollwertiger Partner, der die Möglichkeit zu einer innigen und
einmaligen Beziehung bietet. Wenn Mensch und Hund die Stärken, Schwächen und Grenzen des anderen wirklich kennen, erreicht das gegenseitige Vertrauen sein Maximum.
Wenn sich ein Hovawart seinen Menschen aussuchen dürfte, dann wäre es sicherlich jemand, der den Ehrgeiz und die Fähigkeiten vereint, einengroßen selbstbewussten Hund zu führen. Wenn er dann noch sportlich, aktiv und unternehmungslustig ist, klopft das Herz des Hovawarts aus Vorfreude.

Drei Farben

Hovawarte verzaubern ihre Menschen übrigens in drei wunderschönen Farben:
Schwarzmarken, Schwarz und Blond.
Ihr kräftiges Langhaar ist leicht gewellt und liegt an. Das Haar ist an der Brust, am Bauch, an den
Rückseiten der Vorderläufe und Oberschenkel sowie an der Rute länger. Es bedarf regelmäßiger Pflege, ansonsten verfilzt es gerne an bestimmten Stellen wie beispielsweise den Achselhöhlen. Während des Fellwechsels kommen Bürste und Staubsauger regelmäßig zum Einsatz.

Der Unterschied zwischen Rüden und Hündinnen ist beim Hovawart deutlich zu sehen. Die männliche Zunft erreicht eine Größe von 63 bis 70 Zentimetern, die weibliche 58 bis 65 Zentimeter. Rüden zeigen klare
maskuline Merkmale, wogegen Hündinnen durchaus feminine Züge tragen.
Beide haben ein geradliniges, raumgreifendes Gangwerk, wobei sich vor allem im weit ausgreifendem Trab ein exzellenter Schub aus der Hinterhand zeigt.

Alles in allem bringt der Hovawart viele Voraussetzungen für ein aktives,
abwechslungsreiches Leben mit einem echten Teampartner mit sich. Es
lohnt sich, diese Aufgabe anzunehmen.

Wie wir wurden, was wir sind

Ist vom Hovawart die Rede, fällt gerne auch sein Name: Kurt Friedrich König.
Er begann in den 1920er Jahren gezielt einen speziellen Typ Hund zu züchten, der seinen persönlichen Vorstellungen entsprechen sollte. Der Name der Rasse, Hovawart, ist jedoch noch viel tiefer in der deutschen Geschichte verwurzelt:
Er geht auf mittelalterliche Wachhunde zurück, die vor allem auf Bauernhöfen Eindringlinge fernhielten. König erkannte, dass solche Hunde zunehmend seltener wurden und
entschloss sich – gemeinsam mit weiteren Liebhabern dieses Hundetyps – zu deren Erhalt beizutragen. Als Zuchtbasis dienten Hunde, die dem Typ der alten Wach- und Hofhunde nahekamen
sowie zotthaarige Schäferhunde, Kuvacz, Leonberger und Neufundländer.
Die klar definierten Zuchtziele lauteten:
Intelligenz, Bedacht, situationsbezogenes Einschätzungsvermögen.
Dabei sollten Selbstsicherheit und Eigenständigkeit zu den Qualitäten gehören. Grundlose Aggressivität und leichte Reizbarkeit waren schon damals unerwünscht. Wichtig, weil König einen Hund wollte, der einerseits ein guter Wächter ist, andererseits aber auch als vielseitiger Alltagsbegleiter taugt.
Eine gute Nasenleistung, Wasserfreude und Bringlust gehörten mit zu den Zuchtkriterien. Auch wenn das durchaus jagdlich versiert klingt, stand eine hohe jagdliche Passion nie im Fokus.
Ganz im Gegenteil: König sortierte sogar Hunde aus, die sich zu sehr für ein im Käfig befindliches Kaninchen interessierten. Ein wettertaugliches Haarkleid, Robustheit und ein funktionaler
Körperbau standen hingegen ganz oben auf der Wunschliste.
1922 begann die gezielte Zucht. König unterzog Hunde, die seinen Vorstellungen entsprachen, einem Wesenstest, bevor sie zur Zucht zugelassen wurden. Die Basis des Hovawarts bildeten „rasselose“ Hunde, die dem von König angestrebten Ziel am nächsten kamen. Seine Zuchtauswahl festigte recht schnell
den gewünschten Typ. Schon 1937 erfolgte die Anerkennung als eigenständige Rasse. Die Anzahl der Züchter und Freunde des Hovawarts wuchs beständig, bis durch den zweiten Weltkrieg
die Zucht zum Erliegen kam. In seiner einflussreichen Position als „Reichszuchtwart“ und „Reichsobmann für Hovawartzucht und Aufartung“ konnte König jedoch einer beachtlichen
Zahl Zuchthunden Bescheinigungen ausstellen, die ihnen eine Kriegsverwendung ersparte. Als die Besatzungsmächte wieder Vereine zuließen und eine Aufhebung der Besatzungszone erfolgte, ging es erneut bergauf mit der Hovawart-Zucht. Der in Coburg gegründete Rassezuchtverein wuchs besonders konstant und wurde der erste Hovawart-Zuchtverein innerhalb des Verbands für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH). 1964 erfolgte die Anerkennung des Hovawarts als siebte deutsche Gebrauchshundrasse. Heute vertreten drei Vereine die Rasse Hovawart innerhalb des VDH:
der 1948 gegründete Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V. (RZV), die 1959 gegründete
Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland e.V. (HZD) und der Hovawart-Club e.V. (HC), der 1984 gegründet wurde und seit 1996 vollwertiges Mitglied des VDH ist. Trotz unterschiedlicher Gewichtung innerhalb der Zuchtziele, arbeiten die Vereine eng zusammen. Hovawart-Interessenten profitieren von dieser Vielfalt, weil sie ermöglicht, einen Hund zu finden, der optimal zu den eigenen Möglichkeiten und Erwartungen passt.

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