Eurasier
Individualist im natürlichen Look

Eurasier

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Individualist im natürlichen Look

Fremden gegenüber ist er eher reserviert.
Seine Familie überhäuft er hingegen mit maßloser Liebenswürdigkeit, wobei der Eurasier
generell kein ausgemachter Schmuser ist. Unter der üppigen Haarpracht verbirgt sich eine gestandene Persönlichkeit, die gerne auch mal ihre eigenen Entscheidungen trifft. Dank der enormen Anpassungsfähigkeit und des geradezu berührenden Einfühlungsvermögens kommt die jüngste deutsche Hunderasse jedoch trotz aller Eigenheiten als familienfreundliches und unkompliziertes Gesamtpaket daher.

Fotos: Eurasier Klub; Zuchtgemeinschaft für Eurasier ;Kynologische Zuchtgemeinschaft Eurasier

Sie ist die jüngste deutsche Hunderasse und ihre Vertreter lächeln der Umwelt schon mal mit einer auffälligen, blitzblauen Zunge entgegen. Allerdings nicht immer, denn Eurasier kommen auch durchaus mit rosafarbenen oder gescheckten Zungen daher. Ansonsten ist es vor allem der herrlich natürlich-nordische Look mit den kecken Stehohren und der sportlich über dem Rücken getragenen Rute, der den mit einem üppigen Haarkleid gesegneten Familienhund zu einem echten Hingucker macht.
Wobei es auch beim Anschauen bleiben sollte. Zumindest solange bis der mittelgroße Individualist von sich aus zur Begrüßung einlädt. Fremden gegenüber sind Eurasier eher zurückhaltend. Ihre eigene Familie überhäufen sie dafür umso mehr mit Liebe und Zuneigungsbekundungen. Und ja: Eurasier stammen tatsächlich aus Deutschland - auch, wenn ihr Kontinent übergreifender Name das nicht auf den ersten Blick vermuten lässt. Wolfsspitz, Samojede und Chow-Chow trugen zur Entstehung der Rasse bei, die seit 1973 offiziell von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannt ist.

Äusserst anpassungsfähig

Seit fast 50 Jahren wächst der Liebhaberkreis der Menschen, die am liebsten gleich ein ganzes Rudel Eurasier halten würden. Eine Entwicklung, die fraglos der angenehmen Persönlichkeit und dem attraktiven Äußeren des selbstbewussten Hundes zuzuschreiben ist. Er spürt feinste Stimmungsschwankungen seiner Menschen und stellt sich mit hoher Sensibilität darauf ein. Ebenso anpassungsfähig ist er, wenn es um seinen Lebensraum geht. Ein Eurasier verspürt in einer Wohnung ebenso viel Zufriedenheit wie auf einem Landsitz mit angeschlossener Parklandschaft. Was für ihn zählt, ist die enge Bindung an seine Familie, wobei er stets alle Mitglieder dieser Familie in seinen Fokus einschließt. Auch andere Haustiere akzeptiert
er – bei entsprechender Gewöhnung – sogar freudig. Eurasier sind ausgemachte Rudelfans: umso mehr familiäre Sozialkontakte, desto besser. Wobei sie dank ihrer bereits erwähnten Anpassungsfähigkeit auch wunderbare Begleiter für Singles und ältere Menschen sind. Artgenossen gegenüber geben sich die aufgeschlossenen Vierbeiner überwiegend verträglich, wobei Rüden durchaus auch dazu neigen, ihr Gegenüber mal forsch auszutesten. Handfeste Auseinandersetzungen sind jedoch eher eine Ausnahme. Die drohen allenfalls, wenn zwei gleichgeschlechtliche Eurasier ähnlichen Alters in einem Haushalt wohnen, was zu engagierten Rangeleien um den besseren Familienstatus führen kann. Lösung: diese Konstellation ganz einfach vorsorglich vermeiden.

Viel Abwechslung

Eurasier gehören mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von zwölf bis 15 Jahren zu den langlebigen Hunderassen. Daher lohnt sich die Vermittlung einer soliden Basiserziehung umso mehr. Die beginnt
idealerweise bereits im Welpenalter und fußt auf positiver Bestärkung. Übertriebene Strenge und Drill verfehlen bei dem klugen Hund ihr Ziel. Motivation, Abwechslung und liebevolle Konsequenz formen den gut
erziehbaren Pfundskerl zu einem wunderbaren Partner, der voller Neugierde und Erkundungsdrang mit seinen Menschen durchs Leben schreitet.
Zwei jeweils einstündige Spaziergänge täglich erfreuen den sportlichen Hund, der sich übrigens auch bestens auf dem Agility-Platz behauptet. Als Begleiter beim Joggen oder am Fahrrad beweisen Eurasier Ausdauer und Freude an der Bewegung. Allerdings sollten solche Herausforderungen frühestens ab dem vollendeten ersten Lebensjahr erfolgen, weil der Bewegungsapparat erst dann entsprechend belastbar ist.
Wiederholungsspiele und Apport, die jeden Retriever in Euphorie versetzen, lassen den Eurasier kalt – beides langweilt ihn. Und auch der Schutzhundsport gehört keinesfalls zu seinen Aufgabenfeldern.

Pflege

Und wie sieht es mit der Pflege aus? Das üppige Haarkleid ist immerhin durchaus opulent und solch eine Pracht will auch in Schuss gehalten werden. Verblüffend: Eurasier sind trotz des
vielen Fells recht pflegeleicht. Normalerweise reicht es aus, die opulente Pracht ein- bis zweimal pro Woche gründlich durchzubürsten. Lediglich während des Fellwechsels sollte man täglich
zu Bürste oder Striegel greifen. Manche Eurasier-Besitzer verwenden auch ein feuchtes Tuch, um abgestorbene Haare zu entfernen. Man reibt einfach damit in Wuchsrichtung über das Fell; lose Haare bleiben am feuchten Tuch hängen. Das feine Fell hinter den Ohren neigt zu Verfilzungen und bedarf deshalb vermehrter Aufmerksamkeit. Tipp: Ausgebürstete Eurasier-Unterwolle eignet sich
bestens, um daraus kuschelig-warme Handschuhe, Pullover oder Schals zu stricken.

Rassetypisch sind die dichte Unterwolle am gesamten Körper und das mittellange, lose anliegende Grannenhaar, das eine schützende Decke bildet. Das dichte Haarkleid ist ein hervorragender Kälteschutz und
außerdem Schmutz abweisend. Fang, Gesicht, Ohren und die Vorderseite der Läufe sind kurzhaarig. Wichtig: Das Fell sollte keinesfalls geschnitten oder getrimmt werden. Das würde den rassetypischen Look zerstören.
Kämmen und Bürsten entfernt eventuellen Schmutz und unterstützt den Eurasier in seinem natürlichen Bedürfnis sich sauber zu halten.

Tolle Farben

Eurasier erfreuen ihre Besitzer aber nicht nur durch ihre Reinlichkeit, sondern auch mit ihren wunderschönen Fellfarben: Die Farbpalette der spitzartigen Hunde ist riesengroß – nur die Farben Weiß, Weiß-Gescheckt
und Leber sind laut Standard unerwünscht. Hunde in diesen Farbschlägen werden aus der Zucht ausgeschlossen. Abgesehen von diesen drei Farben offenbaren sich schier endlos viele Möglichkeiten, und in allen Farben hat der Eurasier seinen Reiz. Die besondere Fellzeichnung (Agouti), die charakteristischen Bänderungs- und Aufhellungsmuster, die auch Wölfe und andere Wildtiere zeigen, sind ein weiteres, bemerkenswertes Merkmal des Eurasiers.

Natürliche Optik

Ebenso natürlich ist seine Optik. Die mittelgroße Rasse zeigt einen harmonischen Körperbau und erinnert mit ihren Stehohren an spitzartige Hunde. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von 52 bis 60 Zentimetern
und ein Gewicht von 23 bis 30 Kilogramm. Hündinnen sind mit 48 bis 56 Zentimetern und 18 bis 26 Kilogramm Gewicht etwas kleiner. Bei Rüden gelten 56 Zentimeter Widerristhöhe und 26 Kilogramm Gewicht als ideal. Bei Hündinnen sind es 52 Zentimeter und 22 Kilogramm. Beide zeigen ein raumgreifendes Gangwerk mit viel Schub und gutem Vortritt. Die buschige Rute, die der Eurasier aufliegend, nach vorn über den Rücken oder leicht seitwärts gebogen oder gerollt trägt, reicht in hängendem Zustand bis
zum Sprunggelenk. Ihr Ansatz ist gerade, rund und fest. Die Rute verjüngt sich zur Spitze hin.

Was unerwünscht ist

Aggressivität oder Ängstlichkeit gelten in der Eurasierzucht als ausschließende Fehler. Das gilt ebenfalls für Scheue und übersteigertes Misstrauen. Zum Wohle der Rassegesundheit führen auch Hüftgelenksdysplasie, Ektropium, Entropium, zu tiefliegende oder zu kleine Augen sowie in doppelter Reihe angelegte Wimpern (Distichiasis) zum Zuchtausschluss. Kippohren, Hängeohren, Knickruten und starke Pigmentverluste fallen in dieselbe Kategorie.

In den richtigen Händen: Ein wunderbarer Partner

Die drei VDH-Mitgliedsvereine, die sich der Eurasier-Zucht verschrieben haben, bieten optimale Voraussetzungen, um einen gesunden und wesensfesten Welpen zu finden. Wer einen anpassungsfähigen Familienhund mit einer ansprechenden Optik und einer selbstbewussten Persönlichkeit
sucht, trifft mit dem Eurasier sicherlich auf den passenden Partner. Viel Zeit und die Möglichkeit, den Hund im täglichen Leben sowie im Urlaub möglichst vollzeitig zu integrieren, gehören zu den idealen Grundvoraussetzungen der Eurasier-Haltung. – Die liebenswerten Charakterhunde schätzen keine Einsamkeit und lassen sich auch nur ungerne von fremden Personen betreuen.

Wie wir wurden, was wir sind

Eine so interessante Rasse verdient eine genauere Beleuchtung ihres Ursprungs, in dessen Fokus ein umgänglicher, robuster und natürlicher Haushund stand. Die Idee keimte im schönen
Städtchen Weinheim an der Bergstraße. Dort trauerte der Hundeliebhaber Julius Wipfel um seinen verstorbenen Mischling und sehnte sich nach einem würdigen Nachfolger. Züchterisch ambitioniert ging Julius Wipfel ans Werk. Er verpaarte Wolfsspitz und Chow-Chow; kreierte so die ersten Wolf-Chows. Doch
damit war das Ziel noch nicht erreicht: Erst die Einkreuzung von Samojeden trug zur erhofften Vollendung bei. Diese bescherten der Blutlinie mehr Eleganz, Robustheit und ein angenehmes Wesen. 1973 wurden die züchterischen Mühen mit der offiziellen Anerkennung einer neuen Rasse mit dem klangvollen
Namen Eurasier belohnt. Deutschland war neben Deutschen Schäferhunden, Deutschen Boxern, Teckeln, Deutsch Drahthaar und anderen hier verwurzelten Rassen um einen vierbeinigen Schatz reicher. Einen weiteren Namen darf man keinesfalls vergessen, wenn es um die frühe Eurasierzucht geht: Charlotte
Baldamus verstand sich nicht nur auf die Geflügelzucht, sie bewies auch bei Hunden ein ausgezeichnetes Händchen und trug mit ihrer berühmten Jägerhof-Linie zur Festigung der Rasse bei.

Übrigens: Der berühmte Verhaltensforscher Prof. Dr. Konrad Lorenz nahm auch Einfluss auf die Zucht des Eurasiers – unter anderem mit seinem Werk „Treue ist kein leerer Wahn“, das er dem Hund widmete. In seinem Buch „So kam der Mensch auf den Hund“ beschreibt er an einer Stelle das Wesen eines Chow-Schäferhund-Mischlings und beim Lesen drängen sich unweigerlich Assoziationen zum Eurasier auf.

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