Sanft und stark zugleich
Die Rasse des Monats: Bernhardiner
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Bernhardiner
Bernhardiner
Der Bernhardiner – auch St. Bernhardshund genannt – vereint Stärke und Sanftheit. Sein freundliches Wesen macht ihn zu einem guten Familienhund, der aufgrund seiner Größe jedoch ein spezielles Anforderungsprofil mit sich bringt, das von einem entsprechenden Platzangebot bis hin zu konsequenter Erziehung reicht. Bernhardiner gibt es in zwei Varietäten: kurzhaarig und langhaarig.
Kennen Sie Barry vom Großen Sankt Bernhards Pass in der Schweiz? Den Bernhardiner mit dem legendären Fässchen um den Hals, der zahlreiche in Not geratene Menschen rettete? Er gilt bis heute als Legionsfigur der Rettungshunde. Auch wenn sich das Einsatzgebiet der imposanten Rasse längst in Richtung Familien- und Therapiehund verlagert hat, haftet die heldenhafte Vergangenheit an dem beeindruckenden Hund, der sich durch Klugheit und Freude an der Arbeit auszeichnet.
Fotos: © Christina Jordan, Nina Dolinsek, Elina Friede, Hannah Hellmold, Barbara Föllmer
Ausgeglichen und selbstsicher
Bernhardiner sind angenehme Familienhunde. Dabei sind sie ausgeglichen und selbstsicher. Auch Beharrlichkeit gehört zu ihren rassetypischen Eigenschaften. Aufgrund ihrer angeborenen Anhänglichkeit brauchen sie unbedingt engen Kontakt zur Familie. Verlässlichkeit und eine — teilweise stark ausgeprägte — Wachsamkeit zeichnen den sanften Riesen ebenfalls aus. Nachdem der St. Bernhardshund zeitweise unter modebedingten Trends litt, legen die Zuchtvereine heute Wert auf eine funktionale Zucht, die den Phänotyp des Arbeitshundes zum Vorbild hat.
Familienbezogen
Bernhardiner sind glücklich, wenn sie bei ihrer Familie sind. Im Umgang mit Kindern sind sie robust und geduldig. Das sollte dennoch kein Freischein für einen sorglosen Umgang mit dem großen Hund sein. Ein Haus mit Garten ist sicherlich das ideale Umfeld für einen Vierbeiner, der nun einmal einen gewissen Platz in Anspruch nimmt und situationsabhängig entweder Ruhe oder jede Menge Lebhaftigkeit an den Tag legt. Tapsige Bernhardiner-Welpen entwickeln sich schnell zu stürmischen Junghunden. Umso wichtiger ist es, möglichst früh mit der Erziehung zu beginnen. Diese erfordert wiederum viel Hundeverständnis. Bernhardiner, deren Kraft nicht zu unterschätzen ist, sind keine Wahl für hundeunerfahrene Menschen. Die Leinenführigkeit und auch Begegnungen mit anderen Hunden sollten problemlos funktionieren, bevor der große Hund ausgewachsen ist. Ist man selbst überfordert, lohnt es sich, einen erfahrenen Hundetrainer hinzuzuziehen.
Vielseitig
Eine gute Erziehung von klein auf ist die beste Voraussetzung, um später von den vielseitigen Qualitäten des Bernhardiners zu profieren. Diese entfalten sich in den verschiedensten Bereichen. Das können gemeinsame Wanderungen sein oder auch Zughundsport. Man Trailing und der Einsatz als Therapiehund bieten sich an. Generell verzichten sollte man auf Hundesportarten, die mit Sprüngen einhergehen. Sie belasten den Bewegungsapparat in einem Maß, das für schwergewichtige Rassen nicht förderlich ist. Hoopers Agility verzichtet auf Sprünge und ist eine Alternative, wenn das Herz des Bernhardiner-Halters für den Agility-Platz schlägt.
Bürsten, bürsten, bürsten
Langhaarige Bernhardiner müssen häufiger gebürstet werden als kurzhaarige Rassevertreter. Während des Fellwechsel fallen bei beiden Varietäten große Mengen an losen Haaren an. Was hilft? Bürsten, bürsten und nochmals bürsten… Dafür eignen sich besonders gut harte Borstenbürsten oder auch weiche Drahtbürsten mit einem Naturborstenkranz. Wer vorbeugen will, bürstet seinen Bernhardiner routinemäßig täglich. Das beugt Verfilzungen hinter den Ohren, an der Rute und den „Hosen“ der Hinterläufe vor. Insbesondere bei langhaarigen Bernhardinern ist tägliche Pflege quasi ein Muss. Obwohl die kurzhaarige Variante nicht ganz so pflegeintensiv ist, sollte man regelmäßige Bürstenmassagen einplanen.
Ohren reinigen
Einmal wöchentlich empfiehlt sich die Reinigung der Ohren, um Entzündungen (Otitis) vorzubeugen. Für die Reinigung des äußeren Gehörgangs eignet sich ein Ohrreinigungsmittel, mit dem man die Ohren auswäscht, um Ohrschmalzreste zu lösen. Dringt aus den Ohren ein übler Geruch, sind womöglich Entzündungen, Ohrmilben, Bakterien oder Pilze im Spiel. In solchen Fällen sollte man mit dem Hund einen Tierarzt aufsuchen, der eine geeignete Behandlung in die Wege leiten wird.
Wie ein Fisch im Wasser
Während das Baden des Bernhardiners in der Regel nicht ratsam ist, ist Schwimmen in Seen oder anderen geeigneten Gewässern durchaus eine beliebte Freizeitaktivität des schweren Hundes. Im Wasser trainiert er seine Muskeln, ohne dabei den Bewegungsapparat mit dem Eigengewicht zu belasten. Wichtig: Auf flache Stellen für den Landgang achten!
Zuchtziele
Die Zeit der schweren, trägen Bernhardiner ist vorbei. In den letzten Jahrzehnten sind die Hunde wesentlich leichter und trockener (ohne lose Haut und Falten, besonders im Kopfbereich) geworden, was sich unter anderem in den gestiegenen Zahlen HD- und ED-freier Hunde sowie einer sich langsam verbessernden Augengesundheit widerspiegelt. Die datenmäßige Erfassung bei den Körungen unterstützen die planmäßige Bekämpfung von multifakturiellen Erkrankungen.
Wie wir wurden, was wir sind
Das Hospiz vom Großen St. Bernhard spielt eine zentrale Rolle innerhalb der Rassegeschichte des Bernhardiners. Wenn es um die moderne Bernhardiner-Zucht geht, steht Heinrich Schumacher im Fokus. Er erwarb einen Zuchtrüden mitsamt passender Hündin aus der Nachzucht des Grafen von Rougemont. Auf der Weltausstellung in Paris wurden von ihm gezüchtete Bernhardiner mit Goldmedaillen geehrt. Schumachers Hunde sollen denen des Hospizes sehr geähnelt haben. Immerhin unterhielt er auch einen regen Kontakt zu den Mönchen und bezog weitere Zuchttiere von ihnen. Umgekehrt setzte das Hospiz von da an auch Schumacher-Hunde für die Zucht ein. Diese Hunde waren stockhaarig, weil Schumacher diesen ursprünglichen Typ bevorzugte. Als Zucht-Neueinsteiger begannen, einen vom alten Hospiztyp abweichenden Bernhardiner zu züchten, gab er seine Zucht auf. Nun ebnete sich ein langhaariger Hund mit schwerem, kantigen Kopf den Weg. Erst 1887 näherten sich die beiden unterschiedlichen Auffassungen vom idealen Bernhardiner einander an. Der offizielle Standard entstand und der Bernhardiner wurde als Schweizer Rasse anerkannt.
Wie wir wurden, was wir sind
In den USA wird der Silken Windsprite seit Ende der 1950er Jahre gezüchtet. Es besteht eine enge Verwandtschaft zum Whippet, wobei der Silken Windsprite Charaktereigenschaften hat, die ihn vom Whippet unterscheiden. Langhaarige, mittelgroße Rennhunde zu züchten, war das erklärte Ziel des Whippetzüchters Walter A. Wheeler jun., der 1958 die Silken Windsprite Zucht initiierte. Als Vorbild dienten ihm Windhundedarstellungen auf niederländischen Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts. Heute ist der Silken Windsprite in Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen, Österreich, Belgien und der Schweiz als Rasse anerkannt. Die Anerkennung durch den Weltverband Fédération Cynologique Internationale (FCI) erfolgte bislang noch nicht.
Weitere Informationen
St. Bernhards-Klub e.V.
www.bernhardiner.de
Bernhardiner Club Deutschland e.V.
www.bernhardiner-club.de
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