Basset Griffon Vendéen
Engelchen und Teufelchen

Basset Griffon Vendéen

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Große dunkle Augen, die schelmisch unter buschigen Stirnfransen hervorblinzeln und von einem struppigen Schnauzbart unterstrichen werden, sind typisch für den Petit und Grand Basset Griffon Vendéen. Abgesehen vom Größenunterschied haben beide Rassen jedoch auch ganz individuelle Eigenarten: Der Grand besticht mit majestätischer Gelassenheit - der Petit mit Charme und Gewitztheit.

Sowohl der Petit Basset Griffon Vendéen als auch der Grand Basset Griffon Vendéen gehören zu den niederläufigen französischen Laufhunderassen. In ihren Rassenamen ist der aus dem Französischen stammende Namensbestandteil "Basset" - sprich: Basseeh, vom frz. bas = "tief, niedrig" - für die Niederläufigkeit verschiedener kurzbeiniger Jagdhunderassen gestellt. Französische Laufhunde sind - wie alle typischen Meutehunde - überaus sozial, meistens gut gelaunt und jagdlich passioniert. Aufgrund ihrer Unkompliziertheit und Anpassungsfähigkeit erfreuen sie ihre Besitzer. Und das nicht nur im Ursprungsland der Rasse. Beide stammen aus der Vendée, einer südlich der Bretagne, an der Westküste Frankreichs gelegenen Region und sind sehr alte Rassen. Im Heimatland ist die Meutehaltung nach wie vor populär bei den Griffons, die gerne zur Stöberjagd auf Reh, Hase, Fuchs und Schwarzwild eingesetzt werden. Und wenn im offiziellen FCI-Standard der Hinweis zu finden ist, dass der kleine niederläufige Hund aus der Vendée ein Teufel im Gelände und ein Engel Zuhause ist, dann lassen sich sowohl seine hohe jagdliche Motivation als auch seine Familienhund-Qualitäten deutlich erahnen.

Fotos: © CCFS, Tanja Fittkau, Vivien Greschok

Petit Basset Griffon Vendéen

Der Petit Basset Griffon Vendéen ist ein kleiner, liebenswürdiger, lustiger Hund, der durchaus auch seinen Dickkopf hat und gerade je nach Laune Befehle ausführt, da Gehorsam nicht immer seine große Stärke ist. Als Meutehund verträgt er sich gut mit anderen Hunden und natürlich auch mit seinem Menschenrudel. Am allerliebsten lebt er mit mehreren Vertretern seiner Rasse – eben in der Meute. Kinder liebt er und Toben ist immer angesagt. Wird es ihm zu viel, zieht er sich einfach an seinen Lieblingsplatz zurück und will dann auch seine Ruhe haben.

Er ist kein Kläffer, und da er höchstens ein minimales Beschützerbedürfnis hat, ist seine verblüffend mächtige Stimme auch in diesem Zusammenhang kaum zu vernehmen. Aufgrund dieser Eigenschaften ist er ein idealer Familienhund. Der Raubart liebt lange Spaziergänge bei fast jedem Wetter. Da seine Leidenschaft für die Jagd meistens ausgeprägt ist, sollte er sicherheitshalber an der Leine geführt werden. Denn nimmt er eine Fährte auf, ist er womöglich schneller verschwunden als man gucken kann. Soweit sollte man es aus Rücksicht auf das Wild, das dadurch beunruhigt wird, gar nicht erst kommen lassen.
Durch seine robuste Gesundheit, Ausdauer, seine Intelligenz und Eigenständigkeit ist der Petit Basset Griffon Vendéen der perfekte Gehilfe des Jägers bei der Büchsenjagd in mittelgroßen Gebieten. Seine Spezialität: die Hasenjagd.

Aufgrund seines guten Allgemeinverhaltens und bei entsprechender Ausbildung wird der Petit Basset Griffon Vendéen in Frankreich und zunehmend auch in Deutschland als Rettungs- und Therapiehund und für das Mantrailing eingesetzt.

Extravagante Mischung

Wobei er in Deutschland – ebenso wie der größere Grand Basset Griffon Vendéen - noch relativ unbekannt ist. Und wenn ihn jemand sieht, wird auch er meist für einen Mischling gehalten. Der Grand Basset Griffon Vendéen wirkt etwas zerzaust, seine Augen blinzeln schelmisch aus dem zerzausten Gesicht. All das verleiht Extravaganz. Da gehen lässige Einfachheit und optische Schlichtheit Hand in Hand. Nirgendwo die Spur einer Übertreibung. Die buschigen Augenbrauen und der strubbelige Bart ergeben in Kombination mit den auffallend tief angesetzten Ohren einen Charme, der spontan fast jedes Herz erobert.

Schnell und ausdauernd

Der Grand Basset Griffon Vendéen ist von allen Bassets der Schnellste, voller Passion für die Jagd. Er ist zäh, ausdauernd, mutig und liebt Gestrüpp. Auch wird er in Frankreich zur Büchsenjagd auf mittelgroßes Wild eingesetzt.

In Deutschland hat er mehr sein zu Hause als Familienhund gefunden. Er ist zutraulich, ausgeglichen und freundlich, liebt lange ausgedehnte Spaziergänge. Seine jagdliche Passion ist ausgeprägt, daher ist Freilauf ohne Leine — wie bereits erwähnt —meistens schwierig. Viel Geduld, ein professionelles Training und wildarme Gebiete können es jedoch ermöglichen, auch den Grand Basset Griffon Vendéen frei laufen zu lassen. Im Zweifelsfall sollte man jedoch nie ein unnötiges Risiko eingehen, sondern immer an die Sicherheit des Hundes und die Unversehrtheit der Wildtiere denken.

Unterschiede

Vergleicht man beide Bassets, fällt auf, dass der Grand einen lang gestreckten Kopf mit sehr langen, stark gedrehten und niedrig angesetzten Ohren hat. Der Kopf des Petits ist kürzer und breiter, die Ohren sind weniger lang. Auch sind sie weniger stark gedreht und höher angesetzt. Beide haben einen – im Verhältnis zu den Beinen –langen Körper, was typisch für Bassets ist. Die stolz getragene Rute ist beim großen Basset länger als beim kleinen. Während der große Franzose eine durchschnittliche Größe von 39 bis 44 Zentimetern und 18 bis 25 Kilogramm Gewicht aufweist, wartet der Kleinere mit 34 bis 38 Zentimetern und 12 bis 16 Kilogramm Körpergewicht auf.

Beide Bassets sind klug, eigensinnig und sensibel, dabei stets ausgeglichen. Beim Grand überwiegen Ruhe und Besonnenheit. Beim Kleinen couragierte Lebhaftigkeit, die jedoch nie in Nervosität ausartet. Das raue mittellange Haarkleid ist zwei- oder dreifarbig.

Bei der Erziehung ist Einfühlungsvermögen ebenso gefragt wie Konsequenz ohne Härte. Mit Belohnungen lässt sich bei beiden Rassen viel erreichen, denn sie sind kulinarischen Köstlichkeiten nicht abgeneigt.

Ideal: von Hand trimmen

Wichtig ist die Pflege der Bassets. Beide Rassen sollten regelmäßig gekämmt werden, um auch das Unterhaar zu erreichen. Die harsche Felltextur macht ein sorgfältiges Trimmen von Hand erforderlich. Bloßes Abscheren würde die rassetypische Fellstruktur und Farbgebung zerstören.

Trimmen heißt also die Lösung, wenn es um das professionelle Entfernen abgestorbenen Haares bei den beiden Franzosen geht, weil Trimmen die natürliche Textur des Haarkleids und die Farbintensität erhält. Die richtige Technik ist hierbei ganz wichtig, ansonsten wird das Haar abgeschnitten und nicht getrimmt. Das Risiko des Abschneidens ist, dass es die nachwachsende Fellstruktur schädigt. Das Fell wird weich, eventuell sogar lockig, und verliert den Schutz gegen die Witterung. Außerdem wächst die klare Fellfarbe nicht nach.

Den Petit und den Grand Basset Griffon Vendéen von Hand zu Trimmen, ist sicherlich viel zeitaufwendiger und arbeitsintensiver als das Schneiden oder Scheren des Fells. Aber es die beste Möglichkeit, einen gepflegten rassetypischen Look zu erzielen. Und angesichts solcher Aussichten lohnt der Einsatz allemal. Und sowohl der Grand als auch der Petit Griffon Vendéen fühlen sich im gut gepflegten Haarkleid rundum wohl. Zudem verliert ein gut getrimmten Rauhaar so gut wie kein Haar mehr und hat zudem eine gesunde Haut.

Wie wir wurden, was wir sind

In der französischen Jagdhundezucht gab es mindestens seit dem Mittelalter bei hochläufigen Jagdhunderassen immer wieder auch niederläufige Welpen mit ansonsten identischen Rassemerkmalen. Seit dem 15. Jahrhundert bezeichnet man diese kurzläufigen Hunde als Bassets. Mit der Verkleinerung der Jagdreviere wuchs das Interesse an Jagdhunden für die langsamere Jagd zu Fuß. Ende des 19. Jahrhunderts beginnt bereits die gezielte Auslese der Bassets Griffon Vendéen. 1907 erfolgt die Gründung des ersten Rasseclubs. Von nun an lässt sich von einer gezielten Zucht der beiden niederläufigen Rassen Petit Basset Griffon Vendéen und Grand Basset Griffon Vendéen sprechen. Lange teilten sie sich einen Standard, die kleinen und die großen Griffons Vendéens. Da die Qualität der kleinen Variante angesichts recht krummer Beine und übermäßiger Schwere auf der Strecke blieb, schuf M. Abel Dezamy einen eigenen Standard für den Petit Basset Griffon Vendéen. Dabei stand die Harmonie der Körperproportionen im Fokus - unter Beibehaltung aller jagdlichen Eigenschaften des großen Bassets. Ein Projekt mit Erfolg wie der Sieg bei einer französischen Meisterschaft auf Hasen zeigt, den eine Meute Petits Bassets für sich errang. Seit den 1970er Jahren unterscheidet man beide Rassen mit eigenem Standard.

Weitere Informationen

Club Basset Griffon Vendéen e.V.
www.cbgvev.de

Verein für Französische Laufhunde e.V.
www.laufhunde.eu

 

 

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