Barbet
Kaltes Wasser? Kein Problem!

Barbet

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Er stammt aus Frankreich und gehört zu den ältesten Wasserhundrassen: der Barbet. Während sich der bärtige Franzose mit dem lockigen Fell in seiner Heimat durchaus wieder einer gewissen Beliebtheit erfreut, ist er in Deutschland eher selten anzutreffen. Dabei überzeugt der freundliche Vierbeiner mit zahlreichen Qualitäten und seinem auffälligen Look. 

Vielseitigkeit und ein verspieltes Wesen gehören zu den Charaktereigenschaften des Barbets, den man in England aufgrund seiner Leidenschaft für die Jagd in morastigem Wasser einst auch Mud Dog (Schlamm-Hund) nannte. Wobei nicht nur jagdliche Fähigkeiten zu den Eigenschaften des facettenreichen Franzosen zählen. Schließlich gehört er — wie der Portugiesische und der Spanische Wasserhund — zur Familie der Wasserhunde. Ähnlichkeiten zwischen diesen Rassen sind nicht zu übersehen. Früher lebte der Barbet auch auf französischen Bauernhöfen, wo er zugleich als Wach- und Jagdhund, insbesondere für Wassergeflügel, Einsatz fand. 

Fotos: © Die Fotogräfin, Jon Howard-Totham, Christiane Stitzinger, Malte Düsterhöft, Maik Oellrich

Anlagenprüfung

In Deutschland ist der Verein für Französische Vorstehhunde e.V. (VBBFL) für die Rasse verantwortlich. Das Bestehen von mindestens der vereinsinternen Prüfungen im Frühjahr und Herbst (VFZP und VHZP) ist Voraussetzung für die Zuchtzulassung des Barbet, was in Europa lange ein Alleinstellungsmerkmal war. Zu den Prüfungsfächern gehören: das Vorstehen, die Suche, die Wasserpassion, die Nasenarbeit, die Schussfestigkeit im Feld und im Wasser sowie das Bringen aus dem Wasser. Inzwischen wird auch in Österreich eine Arbeitsprüfung verlangt, was dem Ziel dient, die Rasse als ursprünglichen Gebrauchshund zu erhalten. 

Gentests

 Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Rasse stehen im Fokus, wenn es um die Zucht des Barbets geht. Deshalb sind unter anderem die Untersuchung auf Hüftgelenksdysplasie (HD) und Form- und Haarwerte auf der Zuchtschau des VBBFL  Voraussetzungen für eine Zuchtzulassung. Seit 2018 erfolgen zusätzlich Gentests zwecks Erkennung der Progressiven Retinaatrophie (PRA) und der Fellfarbe Dilution, einer Mutation, die zu verdünnter oder aufgehellter Grundfarbe führen kann. 

Stöbern in bewachsenen Uferzonen

Der Französische Wasserhund wurde ursprünglich gezielt für die Jagd auf Wasservögel gezüchtet. Dabei ist er weitaus mehr als ein reiner Apportierhund. Auch das Aufstöbern und Hochmachen des Wilds gehört zu seinen Aufgaben. Ein Barbet ist auffallend unempfindlich gegenüber Kälte und geht bei jedem Wetter ohne zu zögern ins Wasser.  Nach entsprechender Einarbeitung liebt er die Wasserarbeit, stöbert ausgiebig im dichten Schilf und behauptet sich beim Verlorenbringen aus dichtem Schilfwasser. Dabei schützt ihn sein lockiges und wolliges Haarkleid. Die jagdliche Aufgabe kann noch so anspruchsvoll sein, der Franzose nimmt sie begeistert an. Auch im Feld, beim Vorstehen und auf der Schweißfährte überzeugt der Barbet. Das Stöbern in bewachsenen Uferzonen nach Federwild zählt fraglos zu seinen größten Passionen. Bei Drück- und Treibjagden stellt er ebenfalls seine herausragenden Stöbereigenschaften unter Beweis. Abgesehen von seinen jagdlichen Qualitäten, überzeugt der Barbet auch im Umgang mit Menschen. 

Freundlich und gelehrig

Der geschichtsträchtige Jagdhund ist insgesamt ausgeglichen und äußerst führerbezogen. Sein freundliches Wesen ist ebenso angenehm wie seine angeborene Gelehrigkeit und seine enge Bindung an den Menschen. In der Familie gibt sich der Barbet anhänglich und gesellig. Er ist gutmütig und aufgrund seiner angeborenen Freude am Lernen leicht erziehbar. Beeindruckend ist seine ständige Lernbereitschaft. Der Barbet begreift schnell, lernt ausgesprochen gerne und nachhaltig. All diese Eigenschaften prädestinieren ihn auch für Einsätze als Therapiehund. Die Fährten- und Dummyarbeit bereiten ihm ebenso viel Freude wie Obedience oder auch Agility. All das sind ausgezeichnete Möglichkeiten, den jagdlich hoch passionierten Vierbeiner zusätzlich zu beschäftigen. 

Spezielle Pflegetechnik

Der wuschelige Look des Barbets gehört zu den markanten Merkmalen der Rasse. Eine optimale Optik erfordert jedoch Know-how und regelmäßiges Styling. Um die üppige Haarpracht ausstellungsreif zu pflegen, bedarf es eines Trennmessers, einer Bürste mit feinen gebogenen Metall-Borsten, eines Kamms mit breiten Zinken und einer Schere. Zuerst wird der Hund – außer am Kopf und der Rute – komplett abgeschoren. Alle zwei Wochen werden die neu entstandenen Haarknoten mit dem Trennmesser gelöst, anschließend gebürstet und dann gekämmt. Und wenn der Barbet danach wieder nass wird, stellen sich die Locken wieder ein. Circa 16 Wochen nach dem Scheren ist das Haarkleid dann in Ausstellungskondition. Denn mindestens vier Zentimeter sollte das Haarkleid am Körper für die Zuchtschau des VBBFL betragen. Auf VDH/FCI Ausstellungen wird der Barbet im noch längeren Haarkleid vorgeführt.  

Farbenfroh

Barbets erreichen gemäß Standard eine Größe von 52 bis 66 Zentimetern. Das Haarkleid präsentiert sich in den Farben einfarbig Schwarz und Braun jeweils mit und ohne Abzeichen, Grau, Lohfarben (Falb), Sandfarben, Weiß oder mehr oder weniger gescheckt; alle Schattierungen von Lohfarben und Sandfarben sind erlaubt.

Rassetypisch ist die dicke, lockige und wollige Behaarung, die den Französischen Wasserhund vor Feuchtigkeit und Kälte schützt. Am Kinn formt das Haar einen Bart, der auf Französisch „barbe“ heißt. Dieses Merkmal bescherte der Rasse einst ihren Namen: Barbet. Die Rute des Barbet wird nicht kupiert. 

Legendärer Moustache

Ein berühmter Vertreter der Rasse Barbet hieß „Moustache“ (frz.: Schnurrbart) und überquerte im Jahr 1800 mit der Armee des ersten Konsuls Napoléon Bonaparte den Großen Sankt Bernhard-Pass in den Alpen. Offensichtlich erfüllte der Jagdhund mit Bravour seine Aufgaben als Militärhund. Dem Helden der französischen Armee sind zahlreiche Bücher gewidmet. Darin wird unter anderem berichtet, dass der Barbet 1799 herrenlos durch die Straßen der Stadt Caen irrte und dort von den Grenadieren der kaiserlichen Armee adoptiert wurde. Die Soldaten entdeckten schnell die außerordentlichen Fähigkeiten des Wasserhundes — beispielsweise seine enorme Nasenleistung. Sie ließen ihn an der Mütze eines Soldaten schnuppern und schickten ihn eine Stunde später auf die Suche nach dieser Person. Moustache fand sie jedes Mal zuverlässig. Die Soldaten bildeten ihn zum Militärhund aus, der sich bei zahlreichen Einsätzen mutig behauptete, bis der Barbet am Bein verletzt und amputiert wurde. Der vierbeinige Held wurde Kaiser Napoléon Bonaparte präsentiert, offiziell geehrt und zog trotz seines Handicaps weiter mit den Soldaten an die Front. 1811 wird der Hunde-Veteran im Alter von zwölf Jahren von der Kugel eines spanischen Soldaten getroffen und verstirbt. Er wird später in allen Ehren auf dem Schlachtfeld begraben. Auf seinem Gedenkstein stehen die Worte: „Hier ruht der mutige Moustache.“ 

Wie wir wurden, was wir sind

Seine genaue Herkunft gibt Rätsel auf. Es ist fraglich, ob er tatsächlich mit maurischen Eroberern nach Spanien gelangte oder ob ihn portugiesische Seefahrer aus einem nordischen Land mit in die Heimat brachten. Gesichert ist hingegen, dass der Barbet ein Ahne vieler jüngerer Jagdhundrassen wie beispielsweise dem Deutsch Drahthaar, dem Pudelpointer, dem Griffon und dem Irischen Wasserspaniel ist. Erste Aufzeichnungen gehen auf das Jahr 1683 zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Barbet überall in Europa verbreitet, wo man zur Wasserjagd ging. Die Wasserarbeit ist die große Leidenschaft des Barbet, der damals auch unter den Namen Wasserpudel oder Schafspudel bekannt war. Mitte des 20. Jahrhunderts verebbte in Frankreich das Interesse am Barbet. Es ist letztendlich nur dem Engagement einiger Züchter zu verdanken, dass die Rasse mit all ihren Qualitäten erhalten blieb. 1970 gründeten diese Züchter einen Verein. Eine Uneinigkeit bezüglich der Größe der Rasse führte in den darauffolgenden 22 Jahren fast zum endgültigen Aus des Barbet. Es erfolgte die Einkreuzung von Pudeln, der Barbet wurde offiziell aus der Gruppe der Vorstehhunde genommen und den Wasserhunden zugeordnet. Seit rund zwei Jahrzehnten geht es wieder bergauf mit der interessanten Jagdhundrasse, die man — mehr oder weniger stark vertreten — in folgenden Ländern antrifft: Frankreich, Spanien, Schweiz, Österreich, Polen, Portugal, Finnland, Schweden, Norwegen, USA, Kanada, Belgien und Deutschland. 

Weitere Informationen

Verein für Französische Vorstehhunde e.V. 
www.vbbfl.de 

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