Brachycephale Hunderassen

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Brachycephale Hunderassen, ein Update im Juni 2020

von Peter Friedrich

Präsident des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH)

Ein Vorwort


In der Hundezucht gibt es Probleme.

Die Züchter könnten sagen, der Verein solle die Probleme lösen.
Der Verein könnte sagen, der nationale Dachverband solle es tun.
Der nationale Dachverband könnte sagen, der Weltverband solle es tun.
Der Weltverband könnte sagen, die Wissenschaftler sollen es tun.
Die Wissenschaftler könnten sagen, die Züchter sollen es tun.

Wenn wir nicht aufpassen, werden wir durch die Verschiebung von Verantwortung und durch einen Mangel an konstruktiver Kooperation weit zurückgeworfen.

Die Problemlage


Auch mitten in der Coronakrise und unter den Bedingungen verminderter Handlungsfähigkeit der Kennelklubs schreitet in einigen Ländern die Tendenz zu rigorosen Auflagen für Hunde mit kurzen Fängen auf folgenreiche Art und Weise voran. Vor neun Monaten habe ich die Mitglieder der VDH-Vereine ja schon einmal recht ausführlich über diesen wichtigen Themenkomplex informiert und möchte heute nur kurz skizzieren, was zwischenzeitlich passiert ist und wie es in relativ naher Zukunft in Deutschland und im gesamten Geltungsbereich der Fédération Cynologique Internationale (FCI) weitergehen könnte.

Unter den brachycephalen Hunderassen, also denen mit in der Gesamterscheinung kurzen Köpfen, in Relation zur Länge des Oberkopfs kurzen Fängen, einem relativ geringen Fangvolumen und einer insgesamt etwas rundlich erscheinenden Kopfform, gibt es solche, die im Vergleich zu anderen Hunden vermehrt und verstärkt von bestimmten gesundheitlichen Problemen betroffen sind. Besonders einige relativ kleine Vertreter der Brachycephalen sind in den Mittelpunkt des kritischen Interesses geraten, denn in ihren Reihen tritt das sogenannte Brachycephalic Obstructive Airway Syndrom (BOAS) auf, das begrifflich einen ganzen Komplex an schwerwiegenden Problemen der oberen Atemwege zusammenfasst. Je nach Rasse werden weitere ungute Normabweichungen, etwa im Bereich des Sehapparates oder des Nervensystems, angeführt und auf die Kopfform zurückgeführt. Mit welcher relativen Häufigkeit all diese Störungen bei den in Rede stehenden Rassen (1) generell, (2) in deren FCI-Populationen im Vergleich zu nicht organisierten Zuchten und (3) in VDH-Populationen zu verzeichnen sind, ist nicht genau bekannt. Allerdings kann nicht geleugnet werden, dass das Ausmaß ihrer Verbreitung bei einzelnen Rassen relativ groß ist und dies nicht nur ernst genommen werden muss, sondern auch ein Gegensteuern unabdingbar macht. Bei anderen brachycephalen Rassen gehen die gesundheitlichen Belastungen nicht über das normale Maß einer Säugetierpopulation hinaus. Damit ist bei ihnen keine Indikation für spezielle auf die Kopfform bezogenen Zuchtmaßnahmen oder andere Restriktionen gegeben.

Eingetretene oder drohende negative Folgen


Mit unseren Mitgliedschaften im VDH und in der FCI einhergehend haben wir uns alle freiwillig darauf festgelegt, nur mit gesunden und im Rahmen des Erkennbaren auch genetisch unbedenklichen Hunden zu züchten. Einen röchelnden Rüden oder eine glupschäugige Hündin nicht in die Zucht nehmen zu dürfen, ist somit keine negative Folge einer staatlichen Maßnahme, sondern eine auf der eigenen freien Willensentscheidung beruhende Selbstverständlichkeit.

Alles andere als selbstgewählt hingegen sind einige jener behördlichen Auflagen, die da mehr oder weniger plötzlich mancherorts im Raume stehen. Die radikalsten Kräfte fordern ein Verbot jedweden Züchtens brachycephaler Hunde bei gleichzeitig fortbestehender Erlaubnis von deren Ankauf, deren Haltung und einer unzureichenden Überwachung skrupelloser Massenvermehrer und Importeure.

Kaum weniger dramatisch und kaum weniger einschneidend wäre eine Verpflichtung zur Verwendung von mindestens einem Zuchtpartner mit Merkmalen, die sich nicht mit dem Standard der betreffenden Rasse vereinbaren lassen. Die Vorschrift, dass mindestens entweder der Deckrüde oder die Mutterhündin bei einer Mopsverpaarung einen relativ langen Fang haben müsste, käme beispielsweise einem Verbot der Rasse gleich und führte entweder zur Ausrottung dieses Typs von Hund oder zur Gründung einer anderen Rasse, die der vorhergehenden ein wenig ähnlich wäre, aber doch auch gleichzeitig sehr andersartig.

Die Wellen schlagen wohl zur Zeit in den Niederlanden am höchsten. Dort verpflichtet der Gesetzgeber den Kennelklub Raad van Beheer zu radikalen Maßnahmen bei den folgenden zwölf Rassen: Affenpinscher, Belgischer Griffon, Boston Terrier, Brabanter Griffon, Brüsseler Griffon, Bulldog, Französische Bulldogge, Japan-Chin, King Charles Spaniel, Mops, Pekingese und Shih Tzu. Der Raad van Beheer wiederum sichert der Regierung eine Zusammenarbeit zu. Bezogen auf verschiedene Eigenschaften der Hunde wird jeweils ein grüner Bereich ("einverstanden"), ein gelber Bereich ("unbefriedigend") und ein roter Bereich ("nicht einverstanden") definiert. Kurz zusammengefasst: Grün darf mit grün oder gelb verpaart werden. Gelb darf nicht mit gelb verpaart werden. Rot ist von der Zucht ausgeschlossen. Ein Beispiel:

Grün im niederländischen Kategoriensystem:
Man teilt die Fanglänge ("m" für muzzle length) durch die Oberkopflänge ("c" für cranial length) und das Ergebnis ist 0,5 oder größer (= Fanglänge beträgt mindestens ein Drittel der Länge des gesamten Kopfes). (Anstelle von Muzzle Cranium Ratio wird synonym auch von Craniofacial Ratio gesprochen.)

Gelb im niederländischen Kategoriensystem:
m/c ist größer als 0,3 und kleiner als 0,5

Rot im niederländischen Kategoriensystem:
m/c ist 0,3 oder kleiner

Eine Ausnahmegenehmigung bezüglich der Fanglängenregelung hin zu einer gemilderten Anforderung an den schlechteren der beiden Zuchtpartner ist vom Raad van Beheer beantragt.

Weitere in das holländische "Ampelsystem" einbezogene Größen sind die Atemgeräusche in Ruhelage, die Weite der Nasenlöcher, die Nasenfalte/n, die visuelle Erscheinung des Auges, der Schluss des Augenlides bei pharmazeutisch unterdrücktem Lidschlussreflex und ein nur sehr mäßig standardisierter Fitnesstest.

Soweit zu den Verhältnissen in unserem Nachbarland. Andere Varianten sind denkbar. Stellen Sie sich vor, jeder Hund einer kritisch beäugten Rasse müsste am Tag einer Internationalen Rassehunde-Ausstellung vor dem Einlass von Veterinären dahingehend kontrolliert werden, ob er Risikodispositionen aufweist, und Hunde mit Negativmerkmalen bliebe der Zugang zur Ausstellung versagt. Reden wir nicht drumherum, damit käme der Ausstellungsbetrieb zum erliegen, und der Beruf des Tierarztes wäre der Lächerlichkeit preisgegeben. Wofür für gewöhnlich bei einer verantwortungsbewussten Diagnosestellung in einer wohlausgestatteten Tierarztpraxis eine Menge Zeit und auch ein gewisser Geldbetrag investiert werden muss, würde dann im oberflächlichen Hopplahopp-Verfahren ohne Qualitätsanspruch durchgezogen. Das Ergebnis wären unverlässliche Urteile, ein organisatorisches und logistisches Chaos und der Kollaps nicht nur des Showteils, sondern in der mittelbaren Folge auch der wirtschaftlichen Aktivitäten der großen professionellen Sponsoren auf den Messegeländen.

Biologisch gesehen, wären Genverluste eine nicht zu unterschätzende Negativentwicklung. Und wer weiß schon, wieviele derer erst drohten, wenn undurchdachte Verbote vorschnell von uns hingenommen würden. Kämen dann bald die Bordeauxdogge, der Boxer und der Bullmastiff in existentielle Schwierigkeiten? Oder träfe es die Herdenschutzhunde? Wir müssen besonnen und konstruktiv, aber auch nicht mit Kadavergehorsam reagieren auf das, womit wir da zum Teil aus nachvollziehbaren Gründen und zum Teil ganz und gar unberechtigt konfrontiert sind.

Erschwerende Umstände


Wieso gibt es besagtes Problem eigentlich schon so lange, und es ist nicht längst gelöst? Mindestens sieben allzu menschliche Faktoren üben einen negativen Einfluss aus. Sie zu identifizieren und zu berücksichtigen, ist die Voraussetzung für die Ausarbeitung und Anwendung Erfolg versprechender Zuchtprogramme und Handlungsstrategien.

  1. Schon innerhalb der großen Gemeinde der in Rassehunde-Zuchtvereinen organisierten Hundefreunde gehen die Idealvorstellungen und subjektiven Toleranzgrenzen immer mal wieder auseinander. Es kommt vor, dass die Verfassung eines Hundes im Ehrenring einer CACIB-Show von einem Teil des Publikums gelobt und von einem anderen mit einem Stirnrunzeln quittiert wird. Wir müssen Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen zu gemeinsamem Handeln bewegen, wenn wir unsere Interessen mit Nachdruck vertreten wollen.

  2. Die Lage ist unübersichtlich. Züchter werden verbal angegriffen. Hunderassen sind bedroht. Gelegentlich können lange existierende persönliche Ziele auf einmal nicht mehr erreicht werden. Was ist also unausweichlich? Stress! Scharen von Hundefreunden sind frustriert, angespannt und verärgert. Geläufige Formen der Stressbewältigung sind das Verdrängen oder gar Leugnen von Problemen, das untätige Beklagen der Schlechtigkeit der Welt und die Hinwendung zu Feindbildern und Aggression. Solchen negativistischen Stressbewältigungsstrategien müssen wir entgegenwirken und zukunftsträchtige etablieren.

  3. Ein Vierbeiner mit Krankheitssymptomen und mangelnder Funktionstüchtigkeit ist ein Fall für den Tierarzt. Populationen, in denen der prozentuale Anteil solcher Vierbeiner der Norm gegenüber signifikant erhöht ist, sind ein Fall für die veterinärmedizinische Forschung. Heilkunde und medizinische Prävention sind ein Segen. Allerdings kommt dieser Segen mit den für alle Wissenschaften typischen Gepflogenheiten daher. Zu diesen gehört das Bestehen kontroverser Auffassungen innerhalb einer Disziplin bei ein und demselben Untersuchungsgegenstand. In der Domäne der Brachycephalie bedeutet das zum Beispiel, dass es qualifizierte Wissenschaftler gibt, die die Fanglänge als Ursache für das BOAS sehen und andere, ebenfalls qualifizierte, die stattdessen innere anatomische Strukturen, die prinzipiell sowohl bei kurzschnäuzigen als auch bei langschnäuzigen Hunden vorkommen können, für krankheitsauslösend halten. Wissenschaftliche Kontroversen gehören zum akademischen Leben, uns machen sie manchmal das Leben schwer, weil es dem Außenstehenden oft nicht möglich ist, sicher zu erkennen, wer denn nun Recht hat und wer nicht.

  4. Hundezucht ist heutzutage ein multinationales Geschehen. Bei den meisten Rassen gibt es nicht 80 Populationen in 80 Ländern, sondern eine einzige Population, die sich über 80 Länder erstreckt. Das hat viele Vorteile. So ist zum Beispiel der allgegenwärtigen Forderung nach genetischer Diversität gut Rechnung zu tragen. Im Kontext der Brachycephaliedebatte hingegen birgt dieser Zustand Gefahren, denn in einzelnen Ländern werden brachycephale Hunde von Seiten der Regierung höchst kritisch gesehen und in anderen für völlig unbedenklich gehalten. Hier drohen Verbote, dort scheint die Welt in Ordnung zu sein. Wie soll die organisierte Hundezucht darauf reagieren? Soll sie alles belassen wie es ist und damit die Züchter einiger Länder über die Klinge springen lassen? Soll sie Zuchtmaßnahmen im großen Stil ändern und damit auch Züchter zu Reformen zwingen, die in ihrer Heimat gar nicht kritisiert werden? Oder soll sie nach anderen Optionen suchen?

  5. In der Hitparade der misslichen Komplikation ganz weit oben steht die Tatsache, dass die Zuchthoheit, also die Zuständigkeit zur Schaffung und Überwachung der Einhaltung von Zuchtregularien nie allein bei der FCI, häufig bei nationalen Kennelklubs und mancherorts bei Vereinen, die nur eine Rasse betreuen, liegt. Die Rahmenordnung der FCI setzt gewisse Grenzen, klärt Details aber nicht. Tamás Jakkel als Präsident der FCI hat mit Sicherheit seine eigenen Vorstellungen zu Zuchtgewohnheiten, Zuchtstrategien und Zuchtprogrammen, aber weisungsbefugt gegenüber den Vereinen, die die Zuchthoheit innehaben, ist er nicht. Das ist zuweilen ein Nachteil. Mir, als Präsident des VDH geht es innerhalb der Bundesrepublik Deutschland ganz genauso. Dies berücksichtigend möchte ich die betroffenen VDH-Mitgliedsvereine darüber informieren, welche Handlungsmöglichkeiten ich sehe und welche ich präferiere. Dazu und zur Begründung meiner Auffassungen schreibe ich Artikel, wie den, welchen Sie gerade lesen und hoffe darauf, dass diejenigen, denen die Zuchthoheit bei der jeweiligen Rasse zukommt, aus eigenem Entschluss Ideen daraus aufgreifen und umsetzen.

  6. Wir müssen kurzfristig reagieren und langfristig denken.

  7. Brachycephale Kleinhundrassen sind außerordentlich beliebt und eine ganz extrem hohe, nicht eindämmbare Nachfrage nach ihnen besteht seit langem. Skrupellose Massenvermehrer und illegale Importeure verdienen Unsummen und quälen zu diesem Zweck Tiere in unbeschreiblichem Umfang. Jene Regierungen, und damit beziehe ich mich nicht auf ein konkretes Land, die einseitig die kontrollierte Rassehundezucht zurückdrängen, ergreifen gegen diese Mafia nicht nur keine wirkungsvollen Gegenmaßnahmen, sondern begünstigen ihre verwerflichen Geschäfte.

 

Problemlösestrategien


Alle Brachycephalen über einen Kamm zu scheren und sie einem einzigen simplen Standardverfahren zu unterwerfen, erscheint mir falsch. Ein derartiger Ansatz wäre nur dann zu rechtfertigen, wenn mildere Maßnahmen umgesetzt worden wären und sich kein Fortschritt eingestellt hätte. Nach meiner Auffassung gibt es vier Kategorien von Haustierrassen.

Kategorie 1: Rassen, die so, wie sie gegenwärtig gezüchtet werden, nicht übermäßig von Störungen betroffen sind.

Es erklärt sich von selbst, dass für diese Rassengruppe zusätzliche Zuchtbeschränkungen unangebracht sind. Den Affenpinscher und den Deutschen Boxer sehe ich hier verortet. Werden Rassen der Kategorie 1 diskriminiert, so muss auch über Gegenwehr auf dem Rechtsweg nachgedacht werden. Auch die Politik bewegt sich nicht in einem rechtsfreien Raum.

Kategorie 2:
Rassen, bei denen bestehende Störungen mit modifizierten Zuchtprogrammen ohne Kreuzungszucht unter Kontrolle gebracht werden können und der ursprüngliche Rassetyp erhalten werden kann.

Auf den unter dem Stichwort "Kategorie 2" skizzierten Ansatz müssen wir in punkto Brachycephalie den Arbeitsschwerpunkt legen und in der Öffentlichkeit zudem Überzeugungsarbeit leisten. Ein Fitnesstest in Kombination mit einer Inspektion der Anatomie erscheint mir schlüssig, allerdings ohne eine drastische Regulierung der Fanglänge. Den Rassetyp im Grundsatz erhalten sehe ich auch dann, wenn die Hunde ein klein wenig leichter und ein klein wenig länger im Fang würden, aber immer noch im Rahmen eines Exterieurs blieben, das auch heute schon die Wertnote "vorzüglich" erhalten könnte. Extremmerkmale werden in den Rassestandards nicht gefordert. Was den Fitnesstest angeht, so ist es dringend notwendig, ein wissenschaftlich erprobtes, standardisiertes Verfahren zu wählen. Schon in relativ naher Zukunft wird ein von mehreren deutsche Universitäten gemeinsam entwickeltes Verfahren in der Praxis zur Verfügung stehen. In dem Artikel "Zehn Dilemmata brachycephaler Hunderassen" vom September 2019 finden Sie Näheres zu dieser Methode. Bitte missverstehen Sie diesen Hinweis nicht als das Herstellen einer Wettbewerbssituation gegenüber der von der FCI beauftragten Expertin Jane Ladlow. Es ist das Gegenteil davon, nämlich der Appell, verantwortungsvolle Menschen aus verschiedenen Ländern an einen Tisch oder in den Zeiten der Coronakrise in eine Telefonkonferenz zu bekommen. Nur eine Teamlösung unter Federführung der FCI und unter Einbeziehung von Wissenschaftlern aus mehreren Ländern kann der FCI zu einer Problemlösung verhelfen, niemand sonst. Organisatorisch wäre es ein Fortschritt, wenn in diesem Zusammenhang ein Mitglied des FCI-Vorstandes als das für Zuchtfragen zuständige benannt würde und dieses Vorstandsmitglied federführend wäre für die Analyse der Lage und den Transfer von Wissen an die nationalen Hundeverbände. Bei allen Bemühungen von FCI und VDH bleibt eine düstere Wahrheit unverändert: Wenn Vereine, die die Zuchthoheit haben, keine angemessenen Zuchtprogramme etablieren (oder schon etabliert haben), wird ihnen im Falle staatlicher Sanktionen auch niemand helfen können.

Kategorie 3: Rassen, bei denen bestehende Störungen ausschließlich mit Kreuzungszucht-Programmen unter Kontrolle gebracht werden können und der ursprüngliche Rassetyp erhalten werden kann.

Diese Kategorie ist für brachycephale Hunde meiner Meinung nach nicht relevant, weil die notwendigen Voraussetzungen für ein solches Prozedere bei ihnen nicht gegeben sind. Bei einzelnen Jagdhundrassen und Windhunden ist sie bereits zum Tragen gekommen.

Kategorie 4: Rassen, bei denen bestehende Störungen ausschließlich mit Kreuzungszucht-Programmen unter Kontrolle gebracht werden können, aber das dazu führt, dass der ursprüngliche Rassetyp verloren geht und ein anderer entsteht.

Dieses Vorgehen entspricht der niederländischen Konzeption. Solche Ideen und solche Vorschriften könnten aber sehr schnell auch in anderen Ländern um sich greifen. Ich hoffe im Namen aller zu sprechen, wenn ich feststelle, dass die Gemeinschaft der Hundefreunde in der FCI den richtigen Weg in den Kategorien 1 und 2 und in seltenen Ausnahmefällen in der Kategorie 3 sieht. Über die Kategorie 4 kann aus meiner Sicht erst diskutiert werden, wenn sich die anderen Vorgehensweisen nicht bewähren sollten oder sie gar nicht erst in Gang kommen. Wohlgemerkt, es gibt Rassen, bei denen Zeitdruck herrscht, weil bisher die vorhandenen Möglichkeiten nicht optimal ausgeschöpft worden sind.

Sieht sich jemand dennoch dazu gezwungen, den Rassetyp grundlegend verändernde Kreuzungen vorzunehmen, so muss er klarstellen, dass es sich um so etwas wie eine experimentelle Entwicklungszucht handelt. Werden Abstammungen dokumentiert, was ein legitimes Ansinnen ist, dann muss eine Verwechslung mit den Ahnentafeln von Rassehunden im Sinne der FCI ausgeschlossen werden. Für diese Hunde müsste also eine eigene Datenverwaltung geschaffen werden; ihr Platz ist weder im Zuchtbuch noch in dessen Anhangsregister. Mit diesen Ausführungen möchte ich mich nicht gegen diejenigen stellen, denen die Kreuzungszucht auferlegt ist, sondern mich für Verfahrensformen einsetzen, die sozialen Konflikten in der FCI entgegenwirken. Funktionierende Muster für die Dokumentation von Abstammungen und Verwandtschaftsbeziehungen gibt es ja bereits.

Den VDH-Vereinen, dem VDH und der FCI ist die Chance gegeben, was die Zucht der brachycephalen Rassen angeht, besser und besser zu werden und sich mit optimierten Qualitätsstandards von nicht organisierten Züchtern noch stärker positiv abzuheben.

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