Belastungstest für Hunde kurzschnäuziger Rassen

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Arbeitstagung am 4. Januar 2014 in Dortmund
Gleich zu Beginn des neuen Jahres trafen sich Vertreter verschiedener Vereine (Deutscher Mopsclub, Internationaler Klub für Französische Bulldogen und des Internationalen Club für Cavalier King Charles Spaniel) und Repräsentanten des VDH zu einer Arbeitstagung in Dortmund. Neben der Diskussion aktueller TV-Reportagen bildete der Belastungstest bei den kurzschnäuzigen Rassen den Schwerpunkt der Tagung.

Diesen Belastungstest hatte als erster Zuchtverein der Internationaler Klub für Französische Bulldogen entwickelt und zur Zuchtlenkung eingesetzt. Er wurde 2009 für den Mops und den Bulldog übernommen und weiterentwickelt. Ziel dieses Tests ist es, Hunde mit gesundheitlichen Einschränkungen auf Grund des brachycephales Atemnotsyndroms von der Zucht auszuschließen und die Zucht gesunder Hunde zu fördern. Bei diesem Test müssen die Teilnehmer eine Strecke von 1.000 Metern innerhalb von 11 Minuten zurücklegen. Zu Beginn und zum Ende der Belastung sowie nach 5- und 10-minütiger Erholung werden von einem Tierarzt die Herzfrequenz und die Atemgeräusche der Hunde überprüft. Hunde, die nicht die geforderte Erholung nach der Belastung zeigen oder die Strecke in der Zeitvorgabe nicht absolvieren können, erhalten keine Zuchtzulassung, wobei die Entscheidung vom untersuchenden Tierarzt getroffen wird.

Auf der Tagung fasste Dr. Helga Eichelberg die Ergebnisse der Doktorarbeit von Verena Marlene Martin zusammen. Sie hatte 2012 an der Universität München die Aussagekraft des Belastungstests beim Mops untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen von Verena Marlene Martin deckten einerseits Schwächen in der Durchführung des Belastungstests auf und ergaben andererseits hilfreiche Empfehlungen, die Aussagekraft des Tests zu erhöhen und Zuchtziele entsprechend zu definieren. Ein Fazit der Dissertation lautet: „Die Zucht von Möpsen mit deutlich längerer Nase ist zu befürworten.“ Darüber hinaus wurde deutlich, dass keineswegs die Herzfrequenz im Vordergrund bei der Beurteilung stehen sollte, sondern vielmehr die Atemfrequenz Aufschluss über die Belastbarkeit geben kann. Möpsen, die bereits in der Ruhe eine erhöhte Atemfrequenz zeigten, normalisierten diese selbst nach 15-minütiger Erholung nicht – konnten also den Test nicht bestehen.

Im Unterschied zu den Zuchtzulassungsprüfungen wurden für die Studie die Hunde auf einem Laufband belastet. Dadurch wurde eine einheitliche Geschwindigkeit im Trab gewährleistet. So wurde ausgeschlossen, dass Hunde die Strecke in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und dabei evtl. mit kurzen Erholungsphasen zurücklegen, wodurch das Ergebnis verfälscht werden kann.

Deutlich wurde in der Untersuchung auch, dass die Teilnehmer vor und nach dem Test möglichst von anderen Hunden fern gehalten werden sollten, um nicht durch Interaktionen, etwa im Spiel, Herz- und Atemfrequenz zu beeinflussen.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Untersuchungen wurden entsprechende Änderungen des VDH-Untersuchungsbogens in der Arbeitstagung und im Ablaufschema des Belastungstests entwickelt. Hierzu zählen u.a. eine stärkere Gewichtung der Atemfrequenz in der Beurteilung sowie die Empfehlung einer erneuten Vorstellung der Hunde im Alter von 24 bzw. 36 Monaten. Der IKFB beabsichtigt darüber hinaus, die Zeitvorgabe von 11 auf 8 Minuten zu senken.

Alle Teilnehmer berichteten, dass die Einführung des Belastungstests auch zu einer Vorselektion geführt habe. So würden Hunde, bei denen die Eigentümer vermuten, diese können den Belastungstest nicht bestehen, erst gar nicht zur Zuchtzulassung vorgestellt. Der Rückgang bei den Eintragungen in das Zuchtbuch beim Mops stützt diese These. Während innerhalb des VDH im Jahr 2010 noch 719 Welpen ins Zuchtbuch eingetragen wurden waren es 2012 nur noch 545 (Französische Bulldogge 325/312; Bulldog 4/8). Dem gegenüber steht die rasante Zunahme des Angebots durch den Import und der nicht kontrollierten Zucht von Hunden dieser Rassen, die sich aus den Angeboten im Internet ableiten lässt. Während auf den großen Portalen (deine-tierwelt.de, haustieranzeiger.de und ebay-kleinanzeigen) zu Beginn des vergangenen Jahres im Schnitt pro Tag ca. 200 Angebote für den Mops (ca. 300 Französische Bulldoggen/über 100 Bulldog) gefunden wurden, waren es zu Beginn des Jahres 2014 bereits 500 für den Mops, über 800 für die Französische Bulldogge und mehr als 300 bei der Bulldog. Da sich hinter diesen Angeboten vielfach ganze Würfe verbergen, wird deutlich welche Popularität dieser Rassen genießen und wie gering der Anteil aus kontrollierter Zucht der VDH-Mitgliedsvereine ist.

Udo Kopernik

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